htt

Business Intelligence,Fokus Mitarbeiter,Unternehmenssteuerung

Grundlegende Einordnung von Business Intelligence im Rahmen der Informationsversorgung in Unternehmen

von
Information

Die zunehmende Informationsflut, die steigenden Anforderungen an die interne und externe Transparenz eines Unternehmens, Veränderungen im Marktumfeld und die zunehmende Notwendigkeit zur Fundierung von Entscheidungen erfordern immer mehr ein zentrales Konzept zur Managementunterstützung fern von althergebrachten Einzelsystemen. Isolierte und punktuelle Lösungsansätze zur Informationsversorgung werden diesen Anforderungen nicht mehr gerecht, da diese meist auf isolierten Datenbasen aufbauen und nur einzelne Aspekte betrachten. [4]
Dieser Beitrag befasst sich zunächst mit der allgemeinen Begrifflichkeit der Informationsversorgung um im Weiteren auf das Konzept des Business Intelligence einzugehen.

Grundlagen der Informationsversorgung

Der Begriff Informationsversorgung wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Eine Informationsversorgung erfolgt demnach nicht im wörtlichen Sinne. Vielmehr werden im Rahmen der Informationsversorgung Daten und nicht Informationen bereitgestellt.
Informationen sind subjektiv und entstehen erst wenn Daten von einer Person aufgenommen werden. Erst in Verbindung mit dem vorhandenen Wissen eines Entscheiders werden die übermittelten Daten zu Informationen. Streng genommen sollte deshalb von einer Datenversorgung und nicht von einer Informationsversorgung gesprochen werden. Im Folgenden wird davon jedoch aufgrund der zentralen Bedeutung des Begriffs in der Literatur und Praxis abgesehen. [2]

Die Informationsversorgung in einem Unternehmen erfolgt mit Hilfe sogenannter Informations- und Kommunikationssysteme. Diese werden vereinfachend auch mit der Kurzbezeichnung „Informationssysteme“ bezeichnet, die im Weiteren Verwendung finden soll. [1][7] Die folgende Grafik zeigt die Komponenten eines Informationssystems.

informationssystem-anwendungssystem-indim

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Informationssystem und Anwendungssystem [5]

Ein Informationssystem ist ein soziotechnisches System, d.h. ein Mensch-Maschinen-System. Es setzt sich aus menschlichen und maschinellen Komponenten (Teilsystemen) zusammen. Ziel ist eine optimale Bereitstellung von Informationen und Kommunikation nach wirtschaftlichen Kriterien. [7]
Das Informationssystem ist individuell auf das Unternehmen zugeschnitten, bei dem es eingesetzt wird und beinhaltet neben Organisations- und Managementaspekte ein Anwendungssystem. [5]

Ein Anwendungssystem stellt eine zentrale Komponente eines Informationssystems dar und entspricht dem Teil des Informationssystems, der technisch realisiert ist. [5][6] Es beinhaltet alle Programme, „… die für ein bestimmtes betriebliches Aufgabengebiet entwickelt wurden und eingesetzt werden, inklusive der Technik (IT-Infrastruktur), auf der das Anwendungssystem läuft, und der Daten, die vom Anwendungssystem genutzt werden.“ [5]

Informationsversorgung im Rahmen von Business Intelligence

Wie bereits zu Anfang erwähnt, erfolgt in Unternehmen häufig kein einheitliches Konzept zur Informationsversorgung. An diesem Punkt setzt das Themengebiet des Business Intelligence an. Es beschreibt einen integrierten und unternehmensspezifischen Gesamtansatz im Hinblick auf die Informationsversorgung von Unternehmen. In der Literatur werden jedoch verschiedene Sichtweisen von Business Intelligence vorgestellt, auf die im Weiteren kurz eingegangen werden soll, um die zentrale Bedeutung von Business Intelligence hervorzuheben.

facetten-business-intelligence-bi-indimAbbildung 2: Unterschiedliche Facetten von Business Intelligence [4]

  • Enges BI-Verständnis
    • Das enge BI-Verständnis schließt lediglich wenige Kernapplikationen ein, durch die die Entscheidungsfindung unmittelbar unterstützt wird. Dazu zählen insbesondere das Online Analytical Processing (OLAP) und die Management Information Systems (MIS) bzw. Executive Information Systems (EIS). [4]
  • Analyseorientiertes BI-Verständnis
    • Beim analyseorientierten BI-Verständnis werden sämtliche Anwendungen eingeschlossen, bei denen ein direkter Zugriff durch den Entscheider auf ein System mittels der Benutzungsoberfläche mit interaktiven Funktionen erfolgt. Hierzu zählen neben OLAP und MIS/EIS auch Text Mining und Data Mining-Systeme, Ad-hoc-Reporting und Balanced Scorecards, der Bereich des analytischen Customer Relationship Management und Systeme zur Unterstützung der Planung und Konsolidierung. [4]
  • Weites BI-Verständnis
    • Unter Business Intelligence i. w. S. werden alle Anwendungen verstanden, die zur direkten und indirekten Entscheidungsunterstützung eingesetzt werden. Dazu zählen neben Präsentations- und Auswertungsfunktionalitäten auch die Aufbereitung und Speicherung von Daten. [4]

Die dargestellte Einordnung der genannten Definitionsansätze von Busines Intelligence sollte kritisch hinterfragt werden. So besteht teilweise ein hoher Grad an Beliebigkeit und eine geringe Trennschärfe der Ansätze. Ein umfassender Definitionsansatz wird hingegen von Kemper u.a. gegeben:

Business Intelligence (BI) bezeichnet einen integrierten, unternehmensspezifischen, IT-basierten Gesamtansatz zur betrieblichen Entscheidungsunterstützung. [4]

Folgt man dieser Definition, so kann eine Business Intelligence-Lösung nicht käuflich erworben werden, sondern muss individuell für jede Organisation konzipiert und implementiert werden. [3] Käufliche BI-Werkzeuge dienen vielmehr „ … der Entwicklung von BI-Anwendungen. BI-Anwendungssysteme bilden [lediglich] Teilaspekte des BI-Gesamtansatzes ab.“ [4]

Im nächsten Beitrag soll auf ein BI-Rahmenkonzept eingegangen werden, welches als ein generischer Ordnungsrahmen bei der Gestaltung von unternehmensindividuellen BI-Lösungsansätzen angesehen werden kann. [3][4]

Quellen

[1] Heinrich, L. J., Heinzl, A. und Riedl, R. (2011), Wirtschaftsinformatik – Einführung und Grundlegung, 4.Aufl., Heidelberg und Dordrecht u.a. 2011

[2] Hufschlag, K. (2008), Informationsversorgung lernender Akteure, Wiesbaden 2008

[3] Kemper, H.-G. und Baars, H. (2006), Business Intelligence und Competitive Intelligence – IT-basierte Managementunterstützung und markt-/wettbewerbsorientierte Anwendungen, in: Heilmann, H., Kemper, H.-G. und Baars, H. (Hrsg., 2006), S.7-20

[4] Kemper, H.-G., Baars, H. und Mehanna, W. (2010), Business Intelligence – Grundlagen und praktische Anwendungen, 3. Aufl., Wiesbaden 2010

[5] Laudon, K. C., Laudon, J.P. und Schoder, D. (2010), Wirtschaftsinformatik – Eine Einführung, 2. Aufl., München 2010

[6] Seibt, D. (2001), Anwendungssytem, in: Mertens, P. (Hrsg., 2001), S.46-47

[7] Krcmar, H. (2010), Informationsmanagement, 5. Aufl., Heidelberg, Dordrecht u.a. 2010

Natalie Ebert

Über den Autor 

Bachelor- und Masterstudium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Stuttgart und Hohenheim. Seit Dezember 2015 als BI-Consultant, zuvor als Business Analyst bei der Insight Dimensions GmbH tätig.

Grundlegende Einordnung von Business Intelligence im Rahmen der Informationsversorgung in Unternehmen Reviewed by on .

Die zunehmende Informationsflut, die steigenden Anforderungen an die interne und externe Transparenz eines Unternehmens, Veränderungen im Marktumfeld und die zunehmende Notwendigkeit zur Fundierung von Entscheidungen erfordern immer mehr ein zentrales Konzept zur Managementunterstützung fern von althergebrachten Einzelsystemen.

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked ( required )