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Business Intelligence

Die Allgegenwärtigkeit des Ubiquitous Computing: Das Internet der Dinge und der Einfluss auf Business Intelligence

von
Internet

Der Begriff des Ubiquitous Computing wurde maßgeblich durch Mark Weiser, dem ehemaligen Chef des Informatiklabors des Xerox PARC, geprägt. [11] In seinem Artikel „The Computer for the 21st Century“ von 1991 erwähnt er erstmalig den Begriff „Ubiquitous Computing“ und stellt seine Vision vom Verschwinden des (Personal-) Computers als sichtbares Gerät vor.

Heute, 25 Jahre später, scheint es, als würde seine Vision mehr und mehr zur Realität werden. Der Computer als eigenständiges Gerät verschwindet und geht in den Objekten der physischen Welt auf.

In diesem Zusammenhang wird heute auch vom Internet der Dinge gesprochen. Die Begriffe Ubiquitous Computing und das Internet der Dinge sind eng miteinander verbunden. So kann das Internet der Dinge als eine Ausprägung des Ubiquitous Computing gesehen werden. Im Folgenden soll zunächst auf diese Begrifflichkeiten eingegangen werden um anschließend dessen Bedeutung im Business Intelligence (BI)-Umfeld darzulegen.

Ubiquitous Computing

Unter dem Begriff Ubiquitous Computing wird die Allgegenwärtigkeit des Computers verstanden. Hierbei wird der Mensch bei seinen Arbeiten und Tätigkeiten unsichtbar und unaufdringlich unterstützt. [8] Die Technik tritt dabei in den Hintergrund und integriert sich in den Alltag des Menschen wodurch eine Verschmelzung von realer und virtueller Welt erfolgt. [2]

Internet der Dinge (IoT)

Beim Internet der Dinge (engl. Internet of Things, IoT) erfolgt nicht nur eine Vernetzung der Menschen, sondern aller möglichen Dinge des täglichen Lebens. Bei den als „Smart Objects“ bezeichneten Gegenständen der täglichen Umgebung werden sehr kleine, quasi unsichtbare Sensoren, Prozessoren und Aktuatoren eingebaut oder angeheftet. Damit kann die Umwelt erfasst und die aktuelle Situation interpretiert werden, wodurch die Gegenstände miteinander kommunizieren, kooperieren, sich vernetzen, Aktionen auslösen und steuern sowie mit dem Menschen interagieren können. [1,3,5,6,7]

Anwendungsszenarien im Business Intelligence (BI)

Der Einsatz zahlreicher smarter Objekte führt zu einer kontinuierlichen manuellen oder automatisierten Erfassung von Daten. Dazu finden sich verschiedene Beispiele in unserem Alltag:

  • Klassische Barcodes werden zunehmend durch RFID-Codes in Produktion, Logistik und Handel abgelöst. Die auf einem Transponder (Datenträger) gespeicherten Informationen können mittels Radiowellen über einen Scanner (Lese-/Schreibeinrichtung) abgerufen und wenn nötig geändert werden. Da keine direkte Sichtverbindung notwendig ist, können bspw. ganze Behälter oder Paletten unabhängig von deren Ausrichtung zum Lesegerät ausgelesen werden, indem die einzelnen Produkte, wie Flaschen oder Lippenstifte, mit RFID-Tags ausgestattet werden.
  • Beim intelligenten Haus ist das Zusammenspiel zwischen einem klingelnden Wecker und dem Öffnen der Gardinen oder dem Aktivieren der Kaffeemaschine ein besonderes Beispiel für die Vernetzung der Dinge. Die Funktionen der vernetzten Objekte werden durch die Erkennung sowie durch den Zustand und das Verhalten einer Person mittels Sensoren automatisch ausgelöst.
  • Auch die automatische Steuerung einer Markise, sodass diese bei Regen eingezogen wird, die ferngesteuerte Heizung und Videoüberwachung des eigenen Wohnzimmers mittels Smartphone, die Abrechnung der Gebühren von Müllcontainern oder der intelligente Kühlschrank, der mittels RFID-Scanner erfasste Daten an den Eigentümer oder an einen externen Dienstleister übermittelt, zeigen die Vernetzung der Alltagsgegenstände.
  • Fahrerassistenzsysteme wie Abstandsregeltempomaten, vorausschauende Bremsassistenten, Totwinkel-Assistenten oder Parktronic-Assistenten sind heute nicht mehr wegzudenken.
  • Auch Wegfahrsperr-Systeme, Diebstahlsicherung, automatische Bezahlsysteme für Parkhäuser sowie Personalisierungsmöglichkeiten unterschiedlicher Fahrzeugkomponenten wie Sitze, Spiegel oder Radio basieren auf der RFID-Technologie.

Das US-Unternehmen Tableau Software hat die Entwicklung des Internet der Dinge und die sich daraus ergebende Flut an Daten als einen der Top-Ten-BI Trends in 2016 identifiziert (Näheres zu diesem Thema im Beitrag „Top Business Intelligence Trends 2016“). Auch das Thema Big Data zählte bereits 2014 zu den BI Trends und gehört auch dieses Jahr zu den Top-Ten. Wie im Beitrag „Wie wirkt sich der „Big Data“-Hype auf den Business Intelligence Bereich aus?“ beschrieben, stellt sich hierbei jedoch nicht nur die Herausforderung bezüglich des Datenvolumens sondern vielmehr auch gegenüber der Vielfalt und der Geschwindigkeit im Hinblick auf die Entstehung und Wiedergabe der Daten.

Den sich daraus ergebenden Herausforderungen stehen auch Chancen gegenüber. So eröffnen die gewonnen Daten und Informationen neuartige Anwendungen im Bereich der täglichen Arbeit, dem Zusammenleben, dem Transport, der Produkte und deren Herstellungsprozesse, der Dienstleistungen sowie im Bereich der Gesellschaft und Politik.

Mit Hilfe von Softwaretools, wie beispielsweise von Board und Tableau Software, können die gewonnen Daten bereitgestellt und sowohl nummerisch als auch visuell analysiert werden, wodurch neue Erkenntnisse in sowohl der Wirtschaft als auch der Forschung und Entwicklung gewonnen werden können.

Quellen:

[1] Adamowsky, A. (2010), Medialisierte Umgebungen und Strategien der Kontingenzbewältigung. Digitale Überwachungssysteme im Modus des Spiels, in: Bohlender, M.; Meurer, S. und Münkler, H. (Hrsg.): Sicherheit und Risiko: über den Umgang mit Gefahr im 21. Jahrhundert, 1. Aufl., Bielefeld: Transcript Verl., 2010, S. 223 – 238

[2] Bauer, M., Jendoubi, L., Rothermel, K., Westkämper, E. (2003), Grundlagen ubiquitärer Systeme und deren Anwendung in der Smart Factory, in: Industrie Management, 2003, Nr. 6, S. 17-20

[3] Bizer, J.; Dingel, K.; Fabian, B.; Günther, O.; Hansen, M.; Klafft, M.; Möller, J. und Spiekermann, S. (2006), TAUCIS – Technikfolgenabschätzung Ubiquitäres Computing und Informationelle Selbstbestimmung. Unabhängiges Landeszentrum  für Datenschutz Schleswig-Holstein und Institut für Wirtschaftsinformatik der Humboldt-Universität Berlin, Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Juli 2006, Zugriff am 05.02.2016, www.datenschutzzentrum.de/taucis/ita_taucis.pdf

[4] Bohlender, M.; Meurer, S. und Münkler, H. (Hrsg., 2010), Sicherheit und Risiko: über den Umgang mit Gefahr im 21. Jahrhundert, 1. Aufl. – Bielefeld: Transcript Verl., 2010

[5 ]Burchardt, U.; Feist, T.; Neumann, M.; Fell., H.-J.; Röspel, R. und Sitte, P. (2010), Zukunftsreport – Ubiquitäres Computing, Technikfolgenabschätzung, Unterrichtung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/405, Berlin, Stand 06.01.2010

[6] Coroamã, V.; Hähner, J.; Handy, M.; Rudolph-Kuhn, P.; Magerkurth, C.; Müller, J.;  Strasser,  M.  und  Zimmer,  T. (2003), Leben in einer smarten Umgebung: Ubiquitous-Computing-Szenarien und -Auswirkungen,Technical Report No. 431, Arbeitsbericht der ETH Zürich, Dezember 2003

[7] Friedewald,  M.; Raabe, O.; Georgieff, P.; Koch, D.J. und Neuhäusler, P.  (2010), Ubiquitäres Computing: Das „Internet der Dinge“ – Grundlagen, Anwendungen, Folgen, 1. Aufl. – Berlin: Ed. Sigma, 2010

[8] Hanhart, D., Legner, C., Österle, H. (2005), Anwendungsszenarien des Mobile und Ubiquitous Computing in der Instandhaltung, in: Pousttchi (Hrsg.), Turowski (Hrsg., 2005), S. 45 – 58

[10] Pousttchi, K. (Hrsg.) und Turowski, K. (Hrsg., 2005), Mobile Business – processes, platforms, payments: Proceedings zur 5. Konferenz Mobile Commerce Technologien und Anwendungen, Bonn 2005

[11] Siemoneit, O. (2003), Ubiquitous Computing – Neue Dimensionen technischer Kultur, in: TRANS Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Nr. 15, 2003, S. 1 – 21

Natalie Ebert

Über den Autor 

Bachelor- und Masterstudium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Stuttgart und Hohenheim. Seit Dezember 2015 als BI-Consultant, zuvor als Business Analyst bei der Insight Dimensions GmbH tätig.

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Der Begriff des Ubiquitous Computing wurde maßgeblich durch Mark Weiser, dem ehemaligen Chef des Informatiklabors des Xerox PARC, geprägt. [11] In seinem Artikel „The Computer for the 21st Century“ von 1991 erwähnt er erstmalig den Begriff „Ubiquitous Computing“ und stellt seine Vision vom Verschwinden des (Personal-) Computers als sichtbares Gerät vor. Heute, 25 Jahre später,

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